Viele Lernende brauchen die Bestätigung ihrer Sprachkenntnisse und Fertigkeiten in Form eines international anerkannten Zertifikats (z. B. Goethe-Zertifikat oder ÖSD-Zertifikat von A1 bis C2, großes Deutsche Sprachdiplom, Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ), TestDaF).
Verschiedene Umstände: Zulassung zum Studium, Arbeitserlaubnis, Teilnahme an einem Projekt legen ziemlich strenge Zeitrahmen fest. Auf dem Wege der Vorbereitung auf eine solche Zertifikatsprüfung sind viele Einzelheiten zu berücksichtigen, um die Zeit optimal zu nutzen.
Dieser Blogbeitrag ist von Tamara Darajewa geschrieben.
In diesem Blogbeitrag habe ich beschlossen, Tricks und Tipps zu beschreiben, die meiner Meinung nach hilfreich sind, um Überraschungen und Fallstricke bei der Vorbereitung der Lernenden auf die Zertifikatsprüfung zu vermeiden.
Hier geht es um Modul Sprechen. Aus meiner Sicht ist die Rolle des Lehrers bei der Vorbereitung auf dieses Modul besonders wichtig. Und der Verlauf der Vorbereitung ist sehr stark von der Persönlichkeit des Lernenden geprägt.
Inhaltsverzeichnis
- Tipp 1 — Formen der Aufgaben zur Prüfung genau zu studieren
- Tipp 2 — Soziale Erfahrung zu berücksichtigen
- Tipp 3 — Berufliche Erfahrung bedenken
- Tipp 4 — Weltwissen
- Tipp 5 — Wenn die Zeit knapp ist
- Tipp 6 — “Ich verstehe nicht jedes einzelne Wort”
- Tipp — 7 Lehrer als "Sparringspartner"
- Tipp 8 — Wie kann Google Translate bei der Vorbereitung auf Modul Sprechen hilfreich sein
- Tipp 9 — Wie man den Lernenden ermutigt die Komfortzone beim Sprechens zu verlassen
- Fazit:
- Dieser Blogbeitrag ist von Tamara Darajewa geschrieben.
Tipp 1 — Formen der Aufgaben zur Prüfung genau zu studieren
In verschiedenen Prüfungen sind Formen der Aufgaben auch verschieden. Zum Beispiel wird im Goethe - Zertifikat B2 das Sprechen vor Publikum in Form eines Vortrages geprüft, die Fähigkeit, Argumente pro und kontra zu erörtern — in Form einer Diskussion. Die Aufgabe dieser Sprachfähigkeiten bei der B1 DTZ Prüfung sind folgende: Bild zu beschreiben und gemeinsam etwas zu planen.
Deswegen ist es wichtig, nicht nur im Thema “Essen” sich gut auszukennen, sondern auch zu diesem Thema im Fokus einer vorgegebenen Situation sprechen zu können. Zum Beispiel: Das Essen in der Kantine ist schlecht. Wo könnte man mittags noch essen?
Tipp 2 — Soziale Erfahrung zu berücksichtigen
Für die Erfüllung der Aufgaben des Moduls Sprechen ist es wichtig, nicht nur Sprachkenntnisse und Sprachfähigkeiten, sondern auch bestimmte soziale Erfahrung zu haben. Wenn diese in bestimmten Bereichen fehlt oder nicht reicht, ist es sinnvoll, während des Vorbereitungskurses daran zu arbeiten. Zum Beispiel den Lernenden, die keine Erfahrung als Eltern haben, schlage ich vor folgende Fragen zu beantworten:
- Erinnern Sie sich daran, warum Sie keine Lust hatten, Kindergarten zu besuchen?
- Stellen Sie sich vor, Sie sind 5 Jahre alt und müssen von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr mit anderen Kindern alles zusammen machen (essen das, was Sie nicht mögen; spielen mit Spielzeugen, die Sie nicht gern haben usw.)
- Erinnern Sie sich daran, warum Sie keine Lust hatten, Kindergarten zu besuchen?
Natürlich sind die Fragen auf dem Niveau der geplanten Prüfung zu formulieren.
Solche Übungen ermöglichen den Lernenden etwas zu raten, weil das Kind bald Kita besuchen wird und deswegen aufgeregt ist.
Tipp 3 — Berufliche Erfahrung bedenken
Nicht weniger wichtig ist es, in Zertifikatsprüfungen auch bestimmte berufliche Erfahrung zu haben. Die Aufgaben in Form der Problemlösung betreffen bestimmte Berufsbereiche.
Ich hatte einen Lernenden, der einige Jahre seinen Beruf geübt hat, der aber mit dem Büroleben nichts zu tun hatte. Deswegen hatte er keine Vorstellung über das Büroleben eines Unternehmens. Aus diesem Grund war es für ihn problematisch, solche Aufgaben zu erfüllen, wie zusammen ein Team-Event zu organisieren oder die Möglichkeit des Caterings im Büro zu diskutieren.
Hier ist es sinnvoll, die Episoden der Filme oder gezielte Texte zu nutzen und in Form der Rollenspiele die Vorbereitung zu organisieren.
Tipp 4 — Weltwissen
Das Weltwissenniveau der Lernenden beeinflusst die Vorbereitung auf die Prüfung. Je höher dieses Niveau ist, desto sicherer fühlt sich der Lernende während der Prüfung. Weltwissen bringt kontextbezogene Klarheit. Das ist auch eine gute Unterstützung, wenn man Argumente im Dialog braucht. Besonders hilfreich ist es, wenn man nicht genug eigene Erfahrung im bestimmten Gebiet hat. Außerdem ist Weltwissen eine reiche Quelle der Beispiele für Vorträge und Präsentationen. Natürlich fordere ich nicht auf, aus Ihren Lernenden in Windeseile Polyhistoren zu machen. Aber um zum Thema Globalisierung zu diskutieren, braucht man grundlegende Kenntnisse in solchen Bereichen, wie Wirtschaft, Industrie, Recht.
Besondere Aufmerksamkeit bei der Vorbereitung ist der Landeskunde und dem damit verbundenen Wortschatz zu widmen. Es gibt solche Aufgaben, in denen Matura, Wende oder Realschule erwähnt werden. Um diese Aufgabe erfolgreich zu erfüllen, braucht man zu wissen, was unter diesen Wörtern in Deutschland, Österreich und in der Schweiz zu verstehen ist.
Tipp 5 — Wenn die Zeit knapp ist
Vielleicht klingt es offensichtlich, aber selbst wenn Lernenden ein Zertifikat mit bestimmtem Niveau haben, ist es empfehlenswert, das wirkliche aktuelle Niveau der Sprache festzustellen. Wenn Sie das wissen, können Sie den Umfang und den Inhalt des zu wiederholenden Lehrstoffs richtig einplanen. Dann haben Sie die Möglichkeit, die Formen der Wiederholung zu wählen, welche mit Aufgabentypen der Prüfung verbunden sind.
Sie machen einen Vorbereitungsplan (zusammen mit dem Lernenden, wenn sie/er eine reflektierende/ein reflektierender Lernende ist). Sie berücksichtigen dabei das aktuelle Sprachniveau, die vorgegebene Zahl der Stunden und individuelle Probleme des Lernenden. Trotzdem sind oft die Umstände so, dass sie unter dem Zeitdruck sind. Dann ist es zu entscheiden, was zu “opfern” ist.
5.1 — Sehr aufmerksam Kriterien zu studieren
Das ermöglicht, die richtigen Strategien zur Erfüllung der Aufgaben zu erarbeiten. Es ist sehr wichtig, während der Prüfung unter dem Zeitdruck die Zeit richtig zu verteilen. Dabei ist es sinnvoll, bei der Zeitmangel solchen Aufgaben mehr Aufmerksamkeit zu widmen, die mehr Punkte bringen.
5.2 — Kompromisse zu finden
Außerdem lohnt es sich, die Zahl der zu übenden Strukturen zu beschränken, dabei solche zu wählen, mit denen der Lernende sicher "umgeht". Das können sowohl solche “universale” Redewendungen wie:
“… hat sowohl Vorteile, als Nachteile”,
“… wird heute viel diskutiert”, als auch die ganzen Klischee- Sätze sein.
Zum Beispiel: Um eine richtige Antwort zu geben, muss man das Problem von verschiedenen Seiten betrachten.
Um eine Lösung zu finden, muss man verschiedene Aspekte in Betracht ziehen.
Anhand der Stärken des Lernenden können Sie entscheiden, was zu vernachlässigen werden könnte.
Tipp 6 — “Ich verstehe nicht jedes einzelne Wort”
Wie soll man reagieren, wenn Ihre Lernenden ihren Gesprächspartner nicht hundertprozentig verstehen? Keine Panik. Wenn er wirklich jedes einzelne Wort versteht, dann soll das wahrscheinlich bedeuten, dass er sich für das falsche Niveau angemeldet hat und eine höhere Stufe nehmen sollte. Man kann nicht hundertprozentig verstehen, aber das Wesentliche, was verstanden wurde, gibt die Möglichkeit, das Gespräch weiterzuführen. Die Hauptsache ist, dass der Mensch nicht verstummt, nachdem er ein oder zwei Wörter des Gesprächspartners nicht verstanden hat.
Es kann sein, dass der Gesprächspartner ein falsches Wort gebraucht oder das Wort nicht korrekt ausspricht. Die Frage “Was haben Sie damit gemeint?" kann in solchen Situationen die Kommunikation retten.
Es ist wichtig, mit dem Lernenden das zu behandeln und solche Situationen während der Vorbereitung zu simulieren und zu üben.
Tipp — 7 Lehrer als "Sparringspartner"
Seien Sie bereit, die Rolle des "Sparringspartners" während des Unterrichts zu spielen.
In der mündlichen Prüfung kommt es sehr selten vor, dass die Prüfungspartner gleich vorbereitet sind und gleiche kommunikative Fertigkeiten haben. Deshalb ist es wichtig, während des Vorbereitungskurses die Lernenden zu trainieren,
- auf schweigende Partner, auf “blöde” Fragen und
- auf die nicht mit der Frage verbundenen Antworten richtig zu reagieren.
Nicht weniger wichtig ist Dominieren im Gespräch zu vermeiden. Das ist auch zu üben. Empathiefähigkeit als ein der wichtigsten “soft skills" des Lehrerberufs ermöglicht Ihnen, verschiedene Rollen zu spielen und verschiedene Situationen zu simulieren.
In den Beispielen habe ich die meisten Aufgaben auf dem Niveau B1 oder B2 angeführt. Aber sogar bei einfachen Aufgaben Niveau A 1, wie Bitten, Aufforderungen oder Fragen bezüglich des Bildes auf der Karte zu formulieren, ist Simulation bei der Vorbereitung wichtig. Es geht hier darum, sofortige Reaktion auf das Bild, Einfallsreichtum und Assoziation zu trainieren.
Tipp 8 — Wie kann Google Translate bei der Vorbereitung auf Modul Sprechen hilfreich sein
Google Translate ist ein kostenloses Instrument, das den Lernenden hilft, Verständlichkeit der Sprache zu üben. Man kann etwas diktieren und prüfen, ob Google Translate das versteht. Damit Google Translate sie versteht, müssen sie nicht nur richtig, sondern auch deutlich sprechen. Besondere Aufmerksamkeit ist der Intonation zu widmen, damit man unterscheiden kann, ob es ein Aussage-, Frage-, oder Ausrufesatz ist. Außerdem ist es wichtig, die Sätze so auszusprechen, damit es klar ist, ob es ein Satz oder mehrere sind.
Tipp 9 — Wie man den Lernenden ermutigt die Komfortzone beim Sprechens zu verlassen
Eine wichtige Frage ist, wie man die Lernenden ermutigt, beim Sprechen die Strukturen und den Wortschatz zu benutzen, die dem bestehenden Prüfungniveau entsprechen.
Die meisten Lernenden bleiben gern auf dem Niveau, wo sie sich sicher fühlen. Sie sagen z.B. "Ich will das Wochenende auf dem Lande verbringen” , obwohl das Niveau, auf dem sie die Prüfung ablegen planen, “Ich habe vor, das Wochenende auf dem Lande zu verbringen", fordert. Sie haben Probleme damit, den passiven Wortschatz aktiv zu gebrauchen, denn sie haben Angst dabei Fehler zu machen.
Ich hatte eine Lernende, die ziemlich gut auf Deutsch kommuniziert hat. Sie konnte auch recht komplizierte Texte verstehen. Aber beim Sprechen hat sie einfache Strukturen und den Wortschatz gebraucht, die zwei Stufen niedriger als Wortschatz und Strukturen beim Lesen waren. Dann habe ich sie gebeten, ihren Vortrag aufzunehmen, danach diese Aufnahme zu hören, während des Hörens Notizen zu führen und anhand dieser Notizen eine Selbstanalyse zu machen. Im Unterricht haben wir dann zusammen die einfachen Strukturen durch komplizierte ersetzt und in Minidialogen geübt.
Fazit:
Natürlich ist es eine Menge Arbeit und es ist unmöglich alles vorzusehen und zu berücksichtigen. Aber es lohnt sich, damit Ihr Vorbereitungskurs genau Ihren Lernenden anpassen kann. Dann minimieren Sie die Risiken, einen Haken in Ihrem Plan der Vorbereitung auf die Zertifikatsprüfung zu haben.
Ich hoffe, dass meine Tipps Ihnen dabei helfen können, Überraschungen und Fallstricke zu vermeiden.
Dieser Blogbeitrag ist von Tamara Darajewa geschrieben.
Die Autorin ist diplomierte Deutschlehrerin aus der Ukraine. 31 Jahre hat sie Deutsch als erste und als zweite Fremdsprache in der Schule, im Lyzeum und an der pädagogischen Hochschule unterrichtet. Die Lehrerin hat Fortbildung beim Goethe - Institut gemacht. Seit 13 Jahren unterrichtet sie Deutsch freiberuflich in Kursen und individuell, führt Trainingskurse für Zertifikatsprüfungen durch. Tamara Darajewa hat Erfahrung als Methodikerin und Multiplikatorin.
Kontaktieren Sie Tamara Darajewa daraevatamara@gmail.com


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